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ein Baum im Haus

Linde 1  Foto-Linde2

Ein Baum im Schulhaus - wo gibt's denn so was ?

Bei uns! Und zwar seit dem 15. Mai 2011 !

Die anfängliche Verwunderung ist längst ehrfürchtigem Staunen gewichen. Ein Baum im Schulhaus? Toll! Wie es dazu kam? Das war ein langer Weg!

Als ich seinerzeit die Schulleiterstelle an der damals noch namenlosen Katholischen Grundschule antrat, war mir auf Anhieb klar, dass dieses für eine Schule einzigartige Foyer etwas ganz Besonderes war, ein Zentrum schulischen Lebens; dass ihm aller-dings der dafür nötige Glanz bis dahin noch fehlte. Im Laufe der Jahre gab es dann weitere Aufwertungs-Puzzleteile: Verlagerung der Kakaobar, Anstrich, Klavierecke, große Bilder, mehr Lichteinfall, Stellwände zur Visualisierung von Unterrichtsergeb-nissen, Litfaßsäulen, weitere schöne dekorative Elemente, Sitzecken für Gruppen-arbeiten oder für Gespräche, auch die Spende großer Pflanzen; aber trotz all dem fehlte noch ein verbindendes Element, ein Zentrum.

Das ist jetzt da, und die optische wie auch die gefühlsmäßige Aufwertung des Foyers ist grandios gelungen, wie zahlreiche positive Rückmeldungen belegen. Erwachsene wie Kinder, Schulfamilienmitglieder wie Gäste äußerten schon ihre Bewunderung. Sogar zwei Klassen haben mir Briefe dazu geschrieben. (Auszüge daraus finden sich in der nächsten RiVer!)

Aber wieso ausgerechnet ein Baum? Nun, für mich als bekennenden Hundertwasser-Fan, der den Künstler nicht nur wegen seiner Gestaltungsergebnisse bewundert, sondern auch und vor allem wegen seines Gesamtwerks und hier nicht zuletzt wegen seines Bestrebens, die Natur mit grauer Architektur zu verschmelzen, lag diese Lösung auf der Hand.

Hundertwasser hat einmal in einer Rede anlässlich der Einweihung einer Kinder-tagesstätte geäußert: " Die blinde, feige und stupide Anwendung der geometrisch geraden Linie hat unsere Städte zu Wüsten gemacht, insbesondere im ästhetischen, im seelischen Sinn. [...] Ein gutes Bauwerk muss zwei Dinge in sich vereinen: Harmonie mit der Natur und Harmonie mit der individuellen menschlichen Kreation. [...] Gerade in der Architektur für junge Menschen, d.h. bei Schulen, Kinderheimen etc. ist bisher unglaublich gesündigt worden." Er geht sogar so weit zu sagen: "Die seelische Misshandlung, die von solchen Schulen ausging, übersteigt in der Konse-quenz die seinerzeitige körperliche Maßregelung. Die bleibenden psychischen Schä-den für die junge Generation, die in den naturfeindlichen und kreativitätsfeindlichen Lehranstalten und Kindergärten der letzten Jahrzehnte heranreifen musste, sind ungeheuer." In ihrer Absolutheit mag ich Hundertwassers Worten nicht folgen, doch empfinde ich insbesondere die harmonische Wirkung der Aula-Gestaltung jeden Tag aufs Neue.

Nun sind wir keine Hundertwasser-Schule, sondern eine deutsche Astrid-Lindgren-Schule. Was lag da zunächst näher, als den Baum der Deutschen, die Eiche, deren Blätter auf unseren Cent-Münzen zu sehen sind, ins Haus zu holen? Ein Blick in unsere Geschichte sprach dagegen. Unter einer Eiche wurde etwa bei den Germanen Gericht gehalten, wurden Urteile gefällt, und das waren nicht selten Todesurteile. Das wollte ich für unsere Schule nicht, denn das widerspräche all unseren pädagogischen Leit-linien. Aber den festen und dekorativen Stamm der Eiche haben wir übernommen, ihn allerdings mit einer Baumkrone versehen lassen, die zu dem Baum gehört, der früher auf jedem Hof zu finden war: der einer Linde.

Unter der Linde wurden Taufen, Hochzeiten und andere Feste gefeiert. Die Linde stand als Friedenszeichen, und sie war Schutzpatronin für den Hof. Schließlich sollte sie ein Stück Heimat für die dort Lebenden bedeuten. "Vor meinem Vaterhaus steht eine Linde, vor meinem Vaterhaus steht eine Bank ..." heißt es in einem alten Volks-lied. Das wünsche ich mir, dass unsere Kinder und alle, die sich zu unserer Schul-familie bekennen, bei uns so etwas wie Heimat erfahren dürfen. (Natürlich nicht nur wegen der Linde, aber vielleicht unterstreicht dieses Symbol unseren Leitgedanken.)

Schön, dass so ganz nebenbei die Farbe "Lindgrün" dem schwedischen "Lindgren" entspricht!

Karin vom Steeg

 

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Quelle: Astrid Lindgren: Märchen. Hamburg 1989 (Oetinger). S.209

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