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Albert Wunsch

Die Verwöhnungsfalle

Wir hatten Herrn Dr. Wunsch schon einmal bei uns, und sein Plädoyer für mehr Konsequenz in der Erziehung hat seine Zuhörerschaft seinerzeit nachhaltig beeindruckt. Deshalb freue ich mich sehr, dass ich ihn noch einmal zu uns einladen konnte.
Karten für den Vortrag sind ab sofort zum Preis von 5 Euro im Vorverkauf in unserem Schul-sekretariat oder zu 6 Euro an der Abendkasse erhältlich.
Folgenden Text habe ich seinerzeit für die Pfarrnachrichten so geschrieben:

Verwöhnung – Volksdroge der Spaßgesellschaft

Angeregt durch den provokativen Titel „Die Verwöhnungsfalle“ hatten Lehrerkollegium und Elternschaft der Astrid-Lindgren-Schule einen Wunsch: Sie wollten wissen, wer diese Falle aus welchen Beweggründen für wen aufstellt und wer schließlich drin sitzt, wenn sie zu-schnappt. Und Herr Dr. Wunsch kam. Am vergangenen Mittwoch propagierte er in der Aula der Katholischen Grundschule vor einem pädagogisch interessierten Publikum für eine Erziehung zu mehr Eigenverantwortlichkeit (die RP berichtete), in der Verwöhnung keinen Platz haben darf, weil sie die Heranwachsenden eher behindert als fördert.
Aber ist es denn falsch, das Kind, sein Ein und Alles, ruhig ein bisschen zu verwöhnen, ihm dadurch zu zeigen, wie sehr man es liebt? Schließlich sagt doch zum Beispiel Astrid Lindgren, der die Schule ihren Namen verdankt: „Gebt den Kindern Liebe, Liebe und noch mehr Liebe. Dann stellen sich die guten Manieren ganz von selbst ein.“ Herr Dr. Wunsch sagt es so: „Würde Astrid Lindgren hier und heute leben, niemals würde sie diesen Satz so sagen. In ihrer Zeit und in ihrer Welt war eine andere Liebe gemeint.“ Denn – will man Herrn Dr. Wunschs Thesen glauben – Verwöhnung ist der Todfeind der Liebe. Wer verwöhnt der räumt nach seiner Ansicht – und realistische Beispiele machen diese glaubhaft – ständig Hürden aus dem Weg, anstatt sie im täglichen Training eher etwas höher zu setzen, damit sie im Ernstfall leicht übersprungen werden können.
Überspitzt, damit es jeder merkt, und humoristisch dargeboten tun sie dann auch nicht weh, die Situationsschilderungen, in denen sich der aufmerksame Zuhörer mehr als einmal wieder-erkennt. Und das wissende Lachen zielt selbstredend auf den Nachbarn, denn „nicht zu fas-sen, wie es bei denen so zugeht“, so Dr. Wunsch. Jedenfalls dürften sich seit diesem Abend so manch einem die Nackenhaare sträuben, hört er das Wort „Verwöhnung“, das „grundsätzlich negativ“ zu sehen ist. Da es sich aber doch lohnt, hin und wieder eine „Wohlfühlsituation“ zu erzeugen, sind vereinzelt „situative Sonderzuwendungen“ erlaubt, wie der Referent einräumt. Obwohl – klare Grenzen und Konsequenz in der Erziehung sind es laut Dr. Wunsch, die im Kind Zielstrebigkeit, Mut, Kraft, Geschick, Verantwortungsbewusstsein, Ausdauer, Ideen-reichtum und insbesondere die Fähigkeit zu sozialem Handeln frei setzen, - eben die Attribute, die z.B. auch in Stellenausschreibungen ausdrücklich oder zumindest zwischen den Zeilen gefordert werden.
Der Applaus machte es jedenfalls deutlich: Kurzweiliger und amüsanter kann ein Vortrag über Erziehung kaum sein, jedenfalls kein ernst gemeinter und ernst zu nehmender.

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